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Säuren, Basen und pH-Wert: vom Essig zur Neutralisation

Das lernst du: Du ordnest wässrige Lösungen mit dem pH-Wert ein, erklärst die Aufgabe von Indikatoren und beschreibst eine Neutralisation. Vorwissen: Atome und Ionen.

Sauer ist eine chemische Eigenschaft

Essig enthält Essigsäure, Zitronensaft unter anderem Citronensäure. Seifenlösungen reagieren häufig basisch. In der Chemie prüft man solche Eigenschaften mit geeigneten Messmitteln, nicht durch Probieren. Auch basische Lösungen können ätzend sein.

Eine Säure kann nach dem Brønsted-Modell ein Proton (H⁺) abgeben; eine Base kann eines aufnehmen. In Wasser führt die Protonenabgabe einer Säure zur Bildung von Oxonium-Ionen H₃O⁺. In basischen wässrigen Lösungen überwiegen gegenüber den Oxonium-Ionen die Hydroxid-Ionen OH⁻.

Beispiel: Chlorwasserstoff überträgt ein Proton auf Wasser. Es entstehen Oxonium- und Chlorid-Ionen:
HCl + H₂O → H₃O⁺ + Cl⁻.
Die wässrige Lösung von Chlorwasserstoff heißt Salzsäure.

Die pH-Skala lesen

sauer
pH < 7
z. B. verdünnter Essig
neutral
pH = 7
reines Wasser
basisch
pH > 7
z. B. Seifenlösung
Einteilung wässriger Lösungen bei etwa 25 °C. Die Farben markieren Bereiche und sind keine verbindliche Indikatorfarbskala.

Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch eine wässrige Lösung ist. Die in der Schule häufig dargestellte Skala reicht von 0 bis 14; das sind jedoch keine absoluten Grenzen. Bei sehr konzentrierten Lösungen sind auch Werte außerhalb dieses Bereichs möglich. Für unsere einfachen Vergleiche betrachten wir verdünnte Lösungen bei ungefähr 25 °C.

LösungTypischer BereichWas du beachten solltest
Zitronensaft oder Haushaltsessigsauer, pH unter 7Der genaue Wert hängt von Produkt und Konzentration ab.
Reines Wasser bei 25 °Cneutral, pH 7Wasser aus der Leitung kann davon abweichen.
Viele Seifenlösungenbasisch, pH über 7Nicht jedes Reinigungsmittel reagiert basisch.

Eine pH-Stufe ist ein Faktor zehn

Bei verdünnten Lösungen bedeutet eine Abnahme um eine pH-Einheit näherungsweise eine zehnmal so große Oxonium-Ionen-Konzentration. Eine Lösung mit pH 3 enthält daher ungefähr zehnmal so viele Oxonium-Ionen pro Volumen wie eine mit pH 4 – und hundertmal so viele wie eine mit pH 5.

Für diese Vergleiche brauchst du keinen Logarithmus auszurechnen. Zähle die pH-Schritte und multipliziere je Schritt mit zehn. Aus dem pH-Wert allein folgt aber weder die gesamte Säuremenge noch die Gefährlichkeit eines Stoffgemischs.

Indikatoren machen Unterschiede sichtbar

Ein Säure-Base-Indikator verändert abhängig vom pH-Wert seine Farbe. Universalindikator oder pH-Papier erlauben eine grobe Einordnung, ein geeignetes pH-Messgerät kann genauer messen. Die angezeigte Farbe wird mit der zugehörigen Skala verglichen. Verschiedene Indikatoren haben unterschiedliche Farben und Umschlagsbereiche.

Rotkohlsaft enthält Farbstoffe, deren Farbe vom pH-Wert abhängt. Als einfache Beobachtung eignen sich getrennte kleine Proben aus Wasser, verdünntem Haushaltsessig und einer Natronlösung. Verwende nur bekannte Küchenstoffe, keine Reiniger; die Proben werden nicht getrunken. Farbunterschiede zeigen hier zunächst eine Änderung der Bedingungen an, noch keinen exakten Messwert.

Neutralisation auf Teilchenebene

Bei der Reaktion einer sauren Lösung mit einer passenden Menge einer Hydroxidlösung reagieren Oxonium- und Hydroxid-Ionen zu Wasser:

Ein bekanntes Beispiel ist Salzsäure mit Natronlauge. Verkürzt schreibt man:
HCl + NaOH → NaCl + H₂O.
In der entstandenen Lösung bleiben Natrium- und Chlorid-Ionen gelöst. Das Salz verschwindet also nicht. Die Reaktion setzt Wärme frei.

Gleiche Volumina ergeben nicht automatisch eine neutrale Mischung. Entscheidend sind Art und Menge der reagierenden Teilchen. Bei 10 ml Salzsäure und 10 ml Natronlauge gleicher Konzentration passen die Mengen im einfachen Beispiel zusammen. Ist die Säure doppelt so konzentriert, reichen diese 10 ml Lauge nicht aus.

Bei einer starken Säure und einer starken Base liegt die Mischung bei passenden Stoffmengen und 25 °C ungefähr bei pH 7. Bei schwachen Säuren oder Basen liegt der Äquivalenzpunkt – der Punkt mit genau passenden reagierenden Stoffmengen – nicht unbedingt bei pH 7. „Neutralisation“ bedeutet daher nicht, dass jede beliebige Mischung automatisch neutral wird.

Säurestärke ist nicht dasselbe wie Konzentration

Die Konzentration beschreibt, wie viel eines Stoffes in einem bestimmten Volumen enthalten ist. Die Säurestärke beschreibt, wie bereitwillig eine Säure Protonen abgibt. Eine schwache Säure kann konzentriert vorliegen, eine starke stark verdünnt. Verdünnen und Neutralisieren sind ebenfalls verschiedene Vorgänge: Beim Verdünnen kommt Lösungsmittel hinzu; beim Neutralisieren reagieren Säure und Base miteinander.

Im Alltag nutzt man saure Stoffe beispielsweise zum Lösen von Kalk. Daraus folgt keine Erlaubnis, Reinigungsmittel zu mischen: Besonders chlorhaltige Reiniger dürfen nicht mit Säuren zusammengebracht werden, weil gefährliche Gase entstehen können.

Üben: wissen, anwenden, erklären

  1. Ordne pH 2, pH 7 und pH 11 bei 25 °C den Bereichen sauer, neutral und basisch zu.
  2. Wie unterscheidet sich näherungsweise die Oxonium-Ionen-Konzentration bei pH 2 und pH 4?
  3. Warum neutralisieren 20 ml einer Säure nicht zwangsläufig 20 ml einer Lauge?
  4. Kontrolliere in H₃O⁺ + OH⁻ → 2 H₂O die Atome und die Gesamtladung.
  5. Was unterscheidet Verdünnen von Neutralisieren?
Lösungen anzeigen
  1. pH 2: sauer; pH 7: neutral; pH 11: basisch.
  2. Bei pH 2 ist sie ungefähr 100-mal größer als bei pH 4.
  3. Art und Konzentration der Lösungen bestimmen die reagierenden Mengen. Das Volumen allein genügt nicht.
  4. Beide Seiten enthalten vier H- und zwei O-Atome. Links ergeben +1 und −1 zusammen null; rechts sind die Wassermoleküle ungeladen.
  5. Beim Verdünnen wird Lösungsmittel hinzugefügt. Beim Neutralisieren findet eine Säure-Base-Reaktion statt.

Weiterlernen: Reaktionsgleichungen und Energieumsatz · Chemie-Übersicht

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Grundwissen bis zur mittleren Reife · Stand: 18. Oktober 2026. Reihenfolge und Vertiefung können je nach Bundesland und Schule variieren.

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Atombau und Periodensystem: die Ordnung der Elemente

Das lernst du: Du bestimmst Protonen-, Neutronen- und Elektronenzahlen, unterscheidest Atome von Ionen und nutzt Gruppen und Perioden zur Orientierung. Vorwissen: Stoffe und Teilchen.

Ein Atom ist nicht unteilbar

Stoffe bestehen aus Atomen oder aus Teilchen, die aus Atomen aufgebaut sind. Ein Atom besitzt einen sehr kleinen Kern und eine ausgedehnte Elektronenhülle. Im Kern sitzen Protonen und gewöhnlich auch Neutronen. Elektronen gehören zur Hülle. Fast die gesamte Masse des Atoms befindet sich im Kern.

TeilchenElektrische LadungOrt
Protonpositiv (+1 Elementarladung)Kern
NeutronungeladenKern
Elektronnegativ (−1 Elementarladung)Hülle

Ein neutrales Atom besitzt gleich viele Protonen und Elektronen. Die Ladungen gleichen sich aus. Die Protonenzahl legt fest, welches Element vorliegt. Jedes Atom mit sechs Protonen ist ein Kohlenstoffatom, jedes mit acht Protonen ein Sauerstoffatom.

Ordnungszahl und Massenzahl

Die Ordnungszahl Z ist die Protonenzahl. Bei einem neutralen Atom ist sie zugleich die Elektronenzahl. Die Massenzahl A zählt Protonen und Neutronen zusammen. Daher gilt: Neutronenzahl = A − Z.

Natrium-23: ein neutrales Atom
Elektronenhülle: 11 Elektronen (−)
Schalenbelegung im einfachen Modell: 2 | 8 | 1
Atomkern
11 Protonen (+)
12 Neutronen (neutral)
Ordnungszahl 11 = Protonenzahl. Massenzahl 23 = 11 + 12. Das Schema zeigt Bestandteile, keine realen Größenverhältnisse oder Elektronenbahnen.

Beispiel: Natrium-23 besitzt Z = 11 und A = 23. Daraus folgen 11 Protonen, 23 − 11 = 12 Neutronen und – beim neutralen Atom – 11 Elektronen. Die Zahl hinter dem Elementnamen bezeichnet hier die Massenzahl.

Die meist nicht ganzzahlige Atommasse in einem Periodensystem ist etwas anderes: Sie berücksichtigt die Massen und Häufigkeiten der natürlich vorkommenden Isotope. Man darf sie nicht einfach mit der Massenzahl eines bestimmten Atoms gleichsetzen.

Isotope: gleiches Element, unterschiedliche Neutronenzahl

Kohlenstoff-12 und Kohlenstoff-14 besitzen beide sechs Protonen. Das erste hat sechs, das zweite acht Neutronen. Solche Atome heißen Isotope. Da ihre Protonenzahl gleich ist, gehören sie zum selben Element. Ihre Masse unterscheidet sich. Manche Isotope sind radioaktiv, andere stabil; „Isotop“ bedeutet nicht automatisch „radioaktiv“.

Das Schalenmodell – nützlich, aber vereinfacht

Im Schalenmodell werden Elektronen bestimmten Energieniveaus zugeordnet. Für die ersten 18 Elemente genügt als Einstieg die Besetzung 2 Elektronen in der ersten, bis zu 8 in der zweiten und bis zu 8 in der dritten Schale. So erhält man etwa Sauerstoff: 2 | 6; Natrium: 2 | 8 | 1; Chlor: 2 | 8 | 7.

Die Schalen sind keine festen Kreisbahnen wie bei Planeten. Das Modell erleichtert den Einstieg, beschreibt Elektronen aber nicht vollständig. Auch die Regel „acht Elektronen außen“ lässt sich nicht unverändert auf alle Elemente anwenden; schon Helium besitzt eine volle Außenschale mit zwei Elektronen.

Perioden und Gruppen lesen

Im PeriodensystemWas du daran ablesen kannst
OrdnungszahlZahl der Protonen; zugleich Elektronenzahl beim neutralen Atom.
Periode = waagerechte ReiheIm einfachen Schalenmodell die Zahl der besetzten Elektronenschalen des neutralen Atoms.
Hauptgruppe = bestimmte senkrechte SpalteÄhnliche Zahl von Außenelektronen und dadurch oft ähnliche chemische Eigenschaften.
Gruppen 1 und 2 sowie 13 bis 18Die acht Hauptgruppen in der modernen Nummerierung.

Bei Hauptgruppenelementen entsprechen die Gruppen 1 und 2 einem beziehungsweise zwei Außenelektronen; die Gruppen 13 bis 18 entsprechen drei bis acht. Helium ist die wichtige Ausnahme mit zwei. Natrium steht in Periode 3 und Gruppe 1: drei besetzte Schalen, ein Außenelektron.

Viele Metalle stehen links und in der Mitte, viele Nichtmetalle rechts. Edelgase stehen in Gruppe 18 und reagieren unter üblichen Bedingungen vergleichsweise wenig. Aus der Position lassen sich Zusammenhänge erkennen; genaue Stoffeigenschaften muss man dennoch kennen oder nachschlagen.

Wie aus Atomen Ionen werden

Verliert ein neutrales Atom Elektronen, wird es positiv geladen: ein Kation. Nimmt es Elektronen auf, wird es negativ geladen: ein Anion. Der Kern bleibt dabei unverändert.

TeilchenProtonenElektronenLadung
Na11110
Na⁺1110+1
Cl17170
Cl⁻1718−1

Natrium kann ein Elektron abgeben, Chlor eines aufnehmen. Die entgegengesetzt geladenen Ionen ziehen sich an und bilden im Kochsalz ein Ionengitter. Bei Molekülen werden Atome hingegen durch gemeinsame Elektronenpaare verbunden. Beides sind Wege zu chemischen Bindungen; ein Kochsalzkristall besteht nicht aus einzelnen NaCl-Molekülen.

Üben: wissen, anwenden, erklären

  1. Ein neutrales Sauerstoff-16-Atom hat Z = 8. Wie viele Protonen, Neutronen und Elektronen besitzt es?
  2. Magnesium hat zwölf Protonen. Wie viele Elektronen besitzt Mg²⁺?
  3. Was haben Kohlenstoff-12 und Kohlenstoff-14 gemeinsam, was unterscheidet sie?
  4. Ein Element steht in Periode 3 und Gruppe 17. Wie lautet seine einfache Schalenbelegung?
  5. Wird ein Natriumatom durch die Abgabe eines Elektrons zu einem anderen Element?
Lösungen anzeigen
  1. 8 Protonen, 16 − 8 = 8 Neutronen und 8 Elektronen.
  2. 10 Elektronen. Das zweifach positive Ion besitzt zwei Elektronen weniger als Protonen.
  3. Beide haben sechs Protonen und gehören zum Element Kohlenstoff. Sie unterscheiden sich in der Neutronenzahl und damit in der Masse.
  4. 2 | 8 | 7. Gemeint ist Chlor mit 17 Elektronen im neutralen Atom.
  5. Nein. Es entsteht Na⁺. Erst eine Änderung der Protonenzahl würde die Elementsorte verändern.

Weiterlernen: Säuren, Basen und pH-Wert · Chemische Reaktionen · Chemie-Übersicht

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Grundwissen bis zur mittleren Reife · Stand: 18. Oktober 2026. Reihenfolge und Vertiefung können je nach Bundesland und Schule variieren.

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Chemische Reaktionen: neue Stoffe, gleiche Atome

Lernziel: Du erkennst den Unterschied zwischen Stoffmischung und chemischer Reaktion, kannst einfache Reaktionsgleichungen ausgleichen und den Energieumsatz erklären. Vorwissen: Stoffe und Teilchen.

Wann entsteht ein neuer Stoff?

Ein Eiswürfel schmilzt, ein Zuckerwürfel löst sich und ein Eisennagel rostet. In allen Fällen verändert sich etwas Sichtbares. Doch nur beim Rosten entstehen in diesem Vergleich neue Stoffe. Eisen reagiert unter Beteiligung von Sauerstoff und Wasser zu verschiedenen Eisenverbindungen.

Die Ausgangsstoffe einer chemischen Reaktion heißen Edukte, die entstehenden Stoffe Produkte. Bei gewöhnlichen chemischen Reaktionen werden Atome neu miteinander verbunden; ihre Atomkerne bleiben unverändert. Aus Wasserstoffatomen werden dabei keine Sauerstoffatome.

Zwei Wassergläser: links vor dem Lösen mit Zuckerwürfel, rechts eine klare Zuckerlösung ohne sichtbaren Würfel.
Zucker im Wasser: Eine sichtbare Veränderung ist nicht automatisch eine chemische Reaktion. Beim Lösen bleiben die Zuckermoleküle unter üblichen Bedingungen erhalten. KI-generierte Illustration.

Hinweise sind noch kein Beweis

Gasentwicklung, Licht, eine Temperaturänderung, ein Farbumschlag oder ein Niederschlag können auf eine Reaktion hinweisen. Man muss aber den Zusammenhang prüfen: Beim Kochen von Wasser entstehen ebenfalls Blasen, ohne dass ein neuer Stoff entsteht. Umgekehrt können chemische Reaktionen fast unbemerkt ablaufen.

Eine Reaktionsgleichung lesen

Wasserstoff reagiert mit Sauerstoff zu Wasser. Die Formeln der Stoffe sind H₂, O₂ und H₂O. Eine ausgeglichene Gleichung lautet:

2 H2 + O2 → 2 H2O

AtomsorteLinks: EdukteRechts: Produkte
Wasserstoff H2 × 2 = 4 Atome2 × 2 = 4 Atome
Sauerstoff O1 × 2 = 2 Atome2 × 1 = 2 Atome

Die große Zahl vor einer Formel gilt für das ganze Molekül. Die kleine tiefgestellte Zahl gehört zur Stoffformel. 2 H₂O bedeutet zwei Wassermoleküle; H₂O₂ bezeichnet den anderen Stoff Wasserstoffperoxid. Zum Ausgleichen änderst du nur die Zahlen vor den Formeln.

So gleichst du eine einfache Gleichung aus

  1. Notiere zuerst die richtigen Formeln: H₂ + O₂ → H₂O.
  2. Zähle jede Atomsorte links und rechts. Sauerstoff ist noch nicht ausgeglichen.
  3. Setze vor H₂O die Zahl 2. Damit stehen auf beiden Seiten zwei O-Atome.
  4. Rechts stehen nun vier H-Atome. Setze deshalb auch vor H₂ die Zahl 2.
  5. Kontrolliere alle Atomsorten und verwende das kleinste ganzzahlige Zahlenverhältnis.

Die Gleichung beschreibt ein Mengenverhältnis, keinen vorgeschriebenen Ablauf einzelner Zusammenstöße. Zwei Wasserstoffmoleküle reagieren mengenmäßig mit einem Sauerstoffmolekül zu zwei Wassermolekülen. Das Zahlenverhältnis ist kein Massenverhältnis.

Warum bleibt die Masse erhalten?

Wenn keine Stoffe hinein- oder hinausgelangen, ist die Gesamtmasse vor und nach einer gewöhnlichen chemischen Reaktion praktisch gleich. Die Atome werden umgeordnet. In einem offenen Gefäß kann die gemessene Masse trotzdem sinken, wenn ein Gas entweicht, oder steigen, wenn ein Stoff Sauerstoff aus der Luft aufnimmt.

Beispiel: Reagieren 12 g Kohlenstoff vollständig mit 32 g Sauerstoff ausschließlich zu Kohlenstoffdioxid, entstehen 44 g Kohlenstoffdioxid. Die zusätzliche Masse stammt aus dem Sauerstoff. Sie ist nicht neu entstanden.

Energie gehört dazu

Eine exotherme Reaktion gibt insgesamt Energie an die Umgebung ab. Eine endotherme Reaktion nimmt insgesamt Energie auf. Trotzdem benötigt auch eine exotherme Reaktion häufig einen Startimpuls: die Aktivierungsenergie.

Zum Trennen chemischer Bindungen wird Energie benötigt; beim Bilden neuer Bindungen wird Energie frei. Welche Seite überwiegt, bestimmt die Energiebilanz. Ein Katalysator ermöglicht einen Reaktionsweg mit geringerer Aktivierungsenergie. Er verändert nicht die Energiedifferenz zwischen Edukten und Produkten und wird in der Gesamtreaktion nicht verbraucht.

Die Wasserstoffreaktion dient hier nur als Rechenbeispiel. Mischungen aus Wasserstoff und Sauerstoff können explosionsartig reagieren und sind kein Versuch für zu Hause.

Teste dein Verständnis

  1. Warum ist die Blasenbildung beim Sieden allein kein Beweis für eine chemische Reaktion?
  2. Gleiche aus: Mg + O₂ → MgO.
  3. In einem geschlossenen System reagieren 7 g Eisen vollständig mit 4 g Schwefel zu einem einzigen Produkt. Welche Masse entsteht?
  4. Warum kann eine exotherme Reaktion eine Zündung benötigen?
Lösungen anzeigen
  1. Die Blasen enthalten gasförmiges Wasser. Es ändert sich der Aggregatzustand, nicht die Stoffart.
  2. 2 Mg + O₂ → 2 MgO. Auf beiden Seiten stehen zwei Mg- und zwei O-Atome.
  3. 11 g. Da nichts entweicht oder hinzukommt, bleibt die Gesamtmasse erhalten.
  4. Zunächst muss die Aktivierungsenergie überwunden werden. Der anfängliche Energiebedarf widerspricht einer insgesamt exothermen Bilanz nicht.

Verbindungen: Reaktionen in lebenden Zellen · Energie und Energieumwandlung

Quellen und weiterführendes Wissen

Stand: 18. Oktober 2026. Erklärungen und Aufgaben für die Mittelstufe; gekennzeichnete Vertiefungen führen weiter.

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Stoffe und Teilchen: Was passiert, wenn Zucker sich löst?

Lernziel: Du unterscheidest Beobachtungen von Erklärungen im Teilchenmodell und erkennst den Unterschied zwischen Reinstoff, Gemisch und chemischer Verbindung. Einstieg ab etwa Klasse 7.

Der Zucker ist nicht verschwunden

Du gibst einen Zuckerwürfel in Wasser und rührst um. Nach einiger Zeit ist kein fester Zucker mehr zu sehen. Trotzdem enthält das Wasser den Zucker weiterhin. Die einzelnen Zuckermoleküle haben sich zwischen den Wassermolekülen verteilt. Sie sind viel zu klein, um sie einzeln mit bloßem Auge zu sehen.

Beobachtung: Der feste Zuckerwürfel wird kleiner und ist schließlich nicht mehr sichtbar.
Erklärung: Zuckermoleküle lösen sich aus dem Kristallverband und verteilen sich im Wasser. Der Zucker wird dabei unter üblichen Bedingungen nicht in einen neuen Stoff umgewandelt.

Zwei Wassergläser: links vor dem Lösen mit Zuckerwürfel, rechts eine klare Zuckerlösung ohne sichtbaren Würfel.
Links vor dem Lösen, rechts nach dem Einrühren: Der Zucker ist in der klaren Lösung weiterhin vorhanden. Seine Moleküle sind verteilt und einzeln nicht sichtbar. KI-generierte Illustration.

Ein Modell hilft beim Verstehen

Das Teilchenmodell beschreibt Stoffe mithilfe sehr kleiner Teilchen. Diese bewegen sich und wechselwirken miteinander. Im einfachen Modell zeichnet man sie oft als Kreise. Solche Kreise sind keine mikroskopischen Fotos. Farbe, Abstand und Größe dienen der Erklärung und sind häufig nicht maßstabsgetreu.

Die Stoffebene beschreibt zum Beispiel Farbe, Dichte oder Schmelztemperatur einer Probe. Auf der Teilchenebene fragt man nach Aufbau, Bewegung und Anordnung der Teilchen. Ein einzelnes Wassermolekül ist nicht „flüssig“: Der Aggregatzustand ist eine Eigenschaft sehr vieler zusammenwirkender Teilchen.

Atome, Moleküle und Ionen

BegriffBedeutungBeispiel
AtomBaustein eines Elements; besteht aus Atomkern und Elektronenhülle.Ein Heliumatom: He.
MolekülVerbund aus chemisch gebundenen Atomen.H₂O besteht aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom.
IonElektrisch geladenes Atom oder geladene Atomgruppe.Na⁺ und Cl⁻ im Kochsalz.
ElementReinstoff aus nur einer Atomsorte.Sauerstoff besteht gewöhnlich aus O₂-Molekülen und ist trotzdem ein Element.
VerbindungReinstoff aus mindestens zwei chemisch verbundenen Elementsorten.Wasser (H₂O); Kochsalz bildet ein Ionengitter, keine einzelnen NaCl-Moleküle.

Reinstoff oder Gemisch?

Ein Reinstoff hat eine festgelegte chemische Zusammensetzung. Zuckerwasser ist dagegen ein Gemisch aus Wasser und Zucker: Du kannst wenig oder viel Zucker hineingeben. Ist alles gelöst und gleichmäßig verteilt, spricht man von einer homogenen Lösung. Öl und Wasser bilden normalerweise getrennte Phasen – ein heterogenes Gemisch.

Gemische lassen sich mit physikalischen Trennverfahren zerlegen. Sand kann man aus Wasser filtrieren. Gelösten Zucker hält ein gewöhnlicher Papierfilter nicht zurück. Lässt man das Wasser langsam verdunsten, kann Zucker wieder auskristallisieren. Auch beim Lösen gibt es eine Grenze: Ist die Lösung gesättigt, löst sich bei dieser Temperatur kein weiterer Zucker mehr dauerhaft auf.

Fest, flüssig und gasförmig

ZustandTeilchenvorstellungBeobachtbare Eigenschaft
FestTeilchen sind an Plätze gebunden und schwingen um diese.Eine feste Probe behält weitgehend ihre Form.
FlüssigTeilchen sind nahe beieinander, können aber ihre Plätze wechseln.Die Flüssigkeit passt ihre Form dem Gefäß an.
GasförmigTeilchen sind weit voneinander entfernt und bewegen sich frei zwischen Zusammenstößen.Ein Gas verteilt sich im verfügbaren Raum und lässt sich gut zusammendrücken.

Beim Schmelzen von Eis bleiben die H₂O-Moleküle erhalten; ihre Anordnung und Beweglichkeit ändern sich. Beim Sieden wird Wasser gasförmig. Der sichtbare weiße Nebel über heißem Wasser besteht hingegen aus kleinen flüssigen Tröpfchen; gasförmiges Wasser selbst ist unsichtbar.

Selbst beobachten

Vergleiche in zwei gleich großen Gläsern dieselbe Menge Zucker mit derselben Menge kaltem beziehungsweise lauwarmem Wasser. Rühre entweder beide gleich oder keines. Beobachte, wie schnell der feste Zucker verschwindet. Ändere möglichst nur eine Bedingung. So unterscheidest du den Einfluss der Temperatur vom Einfluss des Rührens.

Teste dein Verständnis

  1. Ist klares Zuckerwasser ein Reinstoff oder ein Gemisch?
  2. Warum trennt ein Papierfilter gelösten Zucker nicht vom Wasser?
  3. Ist O₂ ein Element oder eine Verbindung?
  4. Eine verschlossene Flasche enthält 100 g Wasser und 5 g Zucker. Welche Masse hat ihr Inhalt nach vollständigem Lösen?
Lösungen anzeigen
  1. Ein homogenes Gemisch, solange der Zucker vollständig gelöst und gleichmäßig verteilt ist.
  2. Gelöste Zuckermoleküle sind so klein, dass sie mit dem Wasser durch die Poren eines üblichen Papierfilters gelangen.
  3. Ein Element: Beide Atome gehören zur gleichen Atomsorte Sauerstoff.
  4. 105 g. Durch das Lösen verschwindet keine Masse.

Weiterlernen: Wann entstehen neue Stoffe? · Alle Chemie-Themen

Quellen und weiterführendes Wissen

Stand: 18. Oktober 2026. Erklärungen und Aufgaben für die Mittelstufe; gekennzeichnete Vertiefungen führen weiter.